[Nachbericht] 10 Jahre Gamescom – Ein Fazit zum Geburtstag

[Nachbericht] 10 Jahre Gamescom – Ein Fazit zum Geburtstag


In diesem Jahr durfte die Kölner Messe mit der Gamescom nun schon zum zehnten Mal das größte Event dieser Art in Europa beherbergen. Und wieder einmal war es absolut überwältigend! Mit ca. 370.000 Besuchern hat sich die Gamescom zum Jubiläum wieder einmal alle Rekorde gebrochen. Einige unserer fleißigen Teammitglieder haben sich für euch mitten ins Geschehen gestürzt und ihre Eindrücke zusammengetragen.

Gamescom Congress Highlight Debatt(l)e Royale

Unter dem Namen Debatt(l)e Royale stellten sich am Mittwoch zur Eröffnung der Messe Politiker aller Parteien Fragen zum Gamesstandort Deutschland, zu E-Sport, zur Digitalen Bildung und zur Digitalisierung allgemein. Die anwesenden Politiker waren SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, Bundesgeschäftsführer der Linken Jörg Schindler, der Politische Geschäftsführer der Grünen Michael Kellner, sowie die CDU Generalsekretärin und ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Fragen stellten die beiden YouTuber Lisa Sophie Laurent und Peter Smits (PietSmiet), als Außenreporterin bei den Besuchern war Sofia Kats von Rocket Beans TV unterwegs. Nicht jeder der Politiker beschäftigt sich privat allzu intensiv mit Videospielen: Frau Beer berichtete immerhin, durch ihre Söhne mit dem Thema in Berührung zu kommen. Herr Schindler wiederum gestand ein, selbst früher während des Studiums zu viel Civilisation gespielt zu haben, woraus eine gewisse Aversion gegen Videospiele entstanden sei. Von solchen privaten Einblicken völlig losgelöst haben alle eingeladenen Politiker betont, wie wichtig Videospielentwicklung sowohl als Wirtschaftsfaktor wie auch als Kunstform sei.

Um mehr über die politische Debatte zu lesen einfach hier aufklappen

Auch für eine Förderung der Videospielbranche in Deutschland sprachen sich alle aus. Strittig waren zwischen den Parteien unter anderem das genaue Vorgehen und die Verteilung der Förderung. Herr Kellner schlug im Rahmen dessen vor, sich beispielsweise an dem Marktanteil deutscher Filme in Deutschland zu orientieren und diesen als Zielwert für den Marktanteil deutscher Videospielentwickler zu setzen. Dies könnte eines der Ziele einer Förderung der Videospielbranche sein. Videospiele wurden in ihrer Funktion als Kunstform mit Filmen verglichen und diskutiert, unter anderem im Hinblick auf den Jugendschutz. Auch dem E-Sport standen die Vertreter der Parteien alle sehr offen gegenüber. Herr Klingbeil sah vor allem eine Möglichkeit für klassische Sportvereine, vom E-Sport zu profitieren. Frau Beer brachte zur Sprache, dass man für Teilnehmer von E-Sport-Turnieren Sportler-Visa vereinfachen, beziehungsweise ermöglichen müsse. Auch eine Gemeinnützigkeit von E-Sport wäre durch die Anerkennung als Sport gegeben. Digitalisierung lag ebenfalls allen Parteien sehr am Herzen. Zum Beispiel beim Thema Internet und Glasfaser war man sich einig, dass Fortschritt passieren muss. Ferner kam man überein, wie wichtig Games, Digitalisierung und Medien für die Bildung sind. Insbesondere Herr Klingbeil betonte an mehreren Stellen sehr bewundernd den pädagogischen Wert von Videospielen. Von mehr sogenannter Gamification nach amerikanischem Vorbild schienen sie alle durchaus recht viel zu halten. Herr Schindler ging sogar so weit, Smartphones nicht aus Klassenräumen verbannen sondern in ihnen Nutzen erkennen zu wollen.

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Neuerscheinungen und Spielbares

Wie in jedem Jahr wurden auf der Gamescom auch wieder einige Neuerscheinungen vorgestellt, wie zum Beispiel Square Enix’ „Life is Strange 2“. In dieser Fortsetzung des Sensationsspiels Life is Strange wird es nicht um die Protagonistinnen des ersten Teils (Max und Chloe) gehen, sondern um einen anderen Jugendlichen mit einer Superkraft. Auch das aktuellste Spiel der Tomb Raider-Reihe “Shadow of the Tomb Raider” und “Kingdom Hearts 3”, beide ebenfalls von Square Enix, und das neue Spiderman-Spiel für die Playstation von Sony Interactive Entertainment waren auf der Messe spielbar. Nicht auf der Messe spielbar, aber mit einem großen Fotostand mit Eisenthron und Gewinnspiel beworben wurde “Game of Thrones: Winter is coming”, das offizielle Strategie-Browsergame zur HBO Serie, vom Entwickler Yozoo. Die beiden großen Konkurrenten im Battle Royale Genre, „Fortnite“ und „PlayerUnknown’s Battleground“ waren ebenfalls mit Ständen vertreten. „Fortnite“ wurde mit seinem riesigen interaktiven Stand, der im Stil eines Hindernisparkours aufgebaut war, sogar zum besten Stand der Gamescom gekürt. Selbstverständlich war auch Blizzard Entertainment mit seinen Erfolgsspielen wie „Overwatch“, „Starcraft“, „World of Warcraft“, „Diablo 3“ und „Hearthstone“ mit von der Partie und bot zudem wie immer ein spektakuläres Programm auf der standeigenen Bühne: sowohl der Cosplaywettbewerb als auch das Orchester gehörten zu den Highlights vieler Besucher.

Cosplay Village

Ein großer Anziehungspunkt für Cosplayer ist und bleibt natürlich das Cosplay Village in Halle 10. Besonders die Cosplay Stage bot viele sehr gute und abwechslungsreiche Programmpunkte.

Am Freitagnachmittag fand der Cosplay Dance Off statt. Wie bereits von anderen Conventions bekannt, kämpfen hier etwa ein Dutzend Cosplayer im K.O.-System bei Dancebattles um den Sieg.

Der Auftritt des Sängers Jan Hegenberg und der darauf folgende Cosplay Contest waren am Samstag die größten Publikumsmagneten.

Haru Kiss bildeten am Samstagabend den Abschluss, mit toller Musik zum Mitsingen und mitfeiern! So konnten die Besucher des Cosplay Village die Messe mit einem Hochgefühl verlassen.

Organisiert und moderiert wurden Cosplay Village und Cosplay Stage sehr motiviert von Autor und Musiker Tommy Krappweis. Er stand zwischendurch auch selbst als Showact auf der Bühne und man merkte, wie viel Spaß er daran hatte.

Merchandise shoppen in Halle 5

Des Weiteren hat es dem Füllstand und der Übersichtlichkeit des Cosplay Village gut getan, dass nicht mehr alle Merchandise-Stände darin zu finden sind, so wie es früher der Fall war. Diese sind mittlerweile in Halle 5.1 und 5.2 untergebracht. Dort konnte man an einer unfassbaren Menge an Ständen Merch erstehen, das man nicht alle Tage im Laden oder dreifach auf jeder Convention sieht. Definitiv kein Schonprogramm für den Geldbeutel!

Messe immer noch ohne Sonntag – weniger Besucher?

Wie auch schon im letzten Jahr musste die Gamescom ohne den Sonntag auskommen: Der Samstag war der letzte Tag, am Sonntag blieben die Tore der Messe verschlossen. Diese Änderung war auch in diesem Jahr wieder zu einem umstrittenen Thema. Besonders diskutiert wurde sie unter den Besuchern, die unter der Woche andere Verpflichtungen haben. Der Samstag wurde damit regelrecht überlastet, weil er nun die einzige Option für diejenigen war, die sich eben nicht einfach mal frei nehmen können.

Wenn man wirklich etwas von der Gamescom haben möchte und nur einen Tag da ist, dann ist der Samstag generell nicht der beste Tag dafür. Die Menschenmassen schieben einen im Schnelldurchlauf an den Ständen vorbei, und an das Testen eines Spiels ist bei Wartezeiten von 5 Stunden und mehr kaum zu denken. Es empfiehlt sich daher, entweder mehrere Tage zu bleiben, oder – wenn man dazu weder die Zeit noch die Geduld hat – unter der Woche direkt am Morgen nach Einlass den Stand gezielt aufzusuchen, an dem man spielen möchte.

Independent Games

Immer einen Besuch wert ist da der wesentlich weniger frequentierte Independent Games Bereich. Hier findet man zahlreiche originelle und einzigartige Spiele, teilweise mehrfach für Storytelling ausgezeichnet, teilweise künstlerisch wertvoll – und das sogar mit absolut zumutbaren Wartezeiten. Jeder, der mal etwas anderes spielen möchte als den neusten Triple A Titel, wird hier mit Sicherheit das richtige finden. Hier war auch der Stand von Daedalic Entertainment zu finden, die ihre 10th Anniversary Edition von „Edna & Harvey: The Breakout“ im Gepäck hatten!

Die „Gamescom Urban Legend“ um den „Fortnite“ Stand

In die Mythen und Legenden der Gamescom wird aus diesem Jahr sicherlich das Gerücht eingehen, das sich um den „Fortnite“ Stand verbreitet hat. Man erzählte sich, jemand habe seinen Platz in der dortigen Schlange nicht aufgeben wollen und sich deshalb in eine Tüte erleichtert. Jene Tüte sei dann auf den Boden gefallen und der Inhalt von den vorbeilaufenden Besuchermassen auf dem Hallenboden verteilt worden. Wie viel Wahrheit dahinter steckt, vermögen wir natürlich nicht zu sagen, doch diese Geschichte hat für viele Lacher gesorgt und wird vielen im Gedächtnis bleiben.

Cosplay is not consent

Weniger zum Lachen, aber trotzdem in aller Munde war in diesem Jahr ein ganz anderes Thema: Einige Cosplayerinnen hatten recht unangenehme Begegnungen mit Mitarbeitern der Security.

Im Interview mit uns berichtete eine Dame, wie sie in einer Unterführung erst nach ihrem Facebook-Profil und dann nach ihrer Handynummer gefragt wurde. Die betreffenden Security-Mitarbeiter argumentierten, dass sie diese Daten aus beruflichen Gründen bräuchten. (Das gesamte Interview findet ihr hier.) Auch von anderen Besucherinnen hörten wir diverse Berichte, die vor allem Anmachsprüche und Hinterherpfeifen beinhalteten. Aus erster Hand können wir beispielsweise von einer Situation berichten, bei der ein Mitarbeiter des Security-Checks einem unserer Teammitglieder aufdringlich in den Ausschnitt schaute und sie mit dem Satz „Halloooooo, was haben wir denn daaaa?“ begrüßte.

Ein solches Verhalten ist generell nicht tolerierbar, aber insbesondere von Security-Mitarbeitern auf einer Messe absolut schockierend. Es kann nicht sein, dass man Angst haben muss von gerade den Menschen belästigt zu werden, die eigentlich dazu da sind Sicherheit zu vermitteln.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Gamescom nicht nur eine, sondern diverse Security-Firmen beschäftigt, da ein enormes Aufgebot an Mitarbeitern nötig ist um die schiere Masse an Menschen zu überschauen. Entsprechend kann nicht sicher gesagt werden, von welcher Quelle die betreffenden Mitarbeiter kamen, dennoch sollte sich die Gamescom mit dieser Problematik dringend auseinandersetzen.

Gamescom Awards

Nach diesem eher unerfreulichen Thema aber jetzt wieder zu den Gewinnern der Messe: Am Dienstag und Samstag wurden nämlich die Gewinner der Gamescom Awards bekannt gegeben: Unter anderem wurde Electronic Arts für „Battlefield V“ mit dem Jurypreis in der Kategorie ‚Best Multiplayer‘ ausgezeichnet. HTC wurde von der Jury für den HTC Vive Wireless Adapter in der Kategorie ‚Best Hardware‘ ausgezeichnet. Das Beste Virtual Reality Game kam laut der Jury von Sony Interactive Entertainment mit „Blood & Truth“.

In der Gruppe der Fan-Kategorien der ‘Consumer Awards’ in der Kategorie ‚Gamescom ‘Most Wanted’ wurde Nintendos „Super Smash Bros. Ultimate“ ausgezeichnet. Blizzard wurde von den Fans gleich doppelt für seinen Stand belohnt, einmal mit einem Award für das beste Queue-Entertainment, und mit einem für die beste Consumer Experience.

Nintendo wurde für „Super Mario Party“ bereits am Dienstag mit dem Gamescom Award für das beste Family Game ausgezeichnet.

Die restlichen Gewinner könnt ihr hier sehen

Best of gamescom (Jury-Kategorie) – Sekiro: Shadows Die Twice (Activision),
auch Gewinner Best Action Game, Kategoriegruppe: Consumer Awards
Best Streamer/Let’s Player (Fan-Kategorie) – Maximilian HandOfBlood Knabe (Instinct3)
Kategoriegruppe: gamescom global awards
Best Booth (Jury-Kategorie) – Fortnite Booth (Envy Create)
Best Developer (Fan-Kategorie) – Ubisoft (Assassin’s Creed Odyssey, Starlink – Battle for Atlas)
Best Publisher (Fan-Kategorie) – Activision (Call of Duty: Black Ops 4, Destiny 2: Forsaken, Sekiro: Shadows Die Twice, Spyro Reignited Trilogy)
Kategoriegruppe: gamescom Indie award
gamescom Indie award (Jury-Kategorie) – Lost Ember (Mooneye Studios)
Kategoriegruppe: Best of CAMPUS Best of CAMPUS (Jury-Kategorie) – LEDCube (Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten – Adrian Kaul, Hannes Vatter)

Bereits am gamescom-Dienstag wurden folgende Sieger der gamescom awards 2018 ausgezeichnet:
Category group: Genre
Best Action Game – Sekiro: Shadows Die Twice (Activision Blizzard)
Best Add-on/DLC – Destiny 2: Forsaken (Activision Blizzard)
Best Casual Game – Team Sonic Racing (Koch Media)
Best Puzzle/Skill Game – Ori and the Will of the Wisps (Microsoft)
Best Racing Game – Forza Horizon 4 (Microsoft)
Best Role Playing Game – Divinity: Original Sin 2 – Definitive Edition (Bandai Namco Entertainment)
Best Simulation Game – Landwirtschafts-Simulator 19 (astragon Entertainment)
Best Social/Online Game – Call of Duty: Black Ops 4 (Activision Blizzard)
Best Sports Game – FIFA 19 (Electronic Arts)
Best Strategy Game – Total War: Three Kingdoms (Koch Media)
Kategoriegruppe: Platform Best Console Game Sony PlayStation 4 – Marvel’s Spider-Man (Sony Interactive Entertainment)
Best Console Game Microsoft Xbox One – Ori and the Will of the Wisps (Microsoft)
Best Console Game Nintendo Switch – Super Smash Bros. Ultimate (Nintendo)
Best PC Game – Anno 1800 (Ubisoft)
Best Mobile Game – Shadowgun War Games (MADFINGER Games)

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Fazit

Die Gamescom ist keine klassische Convention wie andere. Sie ist nicht gemütlich und ist nicht heimelig. Sie ist aufregend, und sie ist groß. Riesengroß. Sie ist anstrengend im allerbesten Sinne, sodass man danach glücklich und erschöpft ins Bett fällt und sagt “Das war der Wahnsinn!” Und es lohnt sich jedes Mal aufs Neue. Wir und wahrscheinlich tausende andere Besucher freuen uns auf jeden Fall jetzt schon auf ein Wiedersehen in der Kölner Messe. 2019 findet die größte europäische Gamerfete vom 20. bis 24. August statt.
Programm
9/10
Erreichbarkeit (ÖPNV)
10/10
Location (Umgebung)
10/10
Händlerangebot
10/10

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