[Nachbericht] Die Leipziger Messe im Jubiläumsfieber! – LBM/MCC 2018

[Nachbericht] Die Leipziger Messe im Jubiläumsfieber! – LBM/MCC 2018


Ein Jubiläum, das es auf allen Ebenen in sich hatte. Von positiven wie negativen Erfahrungen auf der LBM und MCC 2018

Letztes Wochenende war die Leipziger Buchmesse (kurz: LBM) und damit für viele der Auftakt in die Messe- bzw. Convention-Saison. Mit vielen verschiedenen Ausstellern, dieses Jahr insgesamt 2.635 (davon 330 Aussteller auf der Manga-Comic-Con(kurz: MCC)), lockte die LBM wieder Groß und Klein in die Hallen des Leipziger Messegeländes. Die insgesamt 5 Hallen der Messe waren also gut gefüllt und die Aussteller gestalteten ihre Stände sehr vielseitig und passend zum diesjährigen Thema der Messe: Respekt, Toleranz und Vielfalt.

Laut aktueller Zahlen sind es leider dieses Jahr insgesamt weniger Besucher gewesen als im Vorjahr (197.000 Besucher; vs. 208.000 Besucher 2017), aber die MCC musste weniger Abstriche machen (104.000 Besucher; vs 105.000 Besucher 2017). Die Zahlen zeigen also, dass immer mehr Besucher auch gerne die MCC in Halle 1 besuchen und sich für die Szene rund um Comics, Mangas und Animes interessieren.

Während man donnerstags und freitags sehr entspannt durch die Hallen laufen konnte und viele Senioren, Schulklassen und auch Studenten antraf, war es sowohl samstags als auch sonntags deutlich schwieriger durch die Gänge zu kommen, da viele Leute in den engen Gängen stehen blieben, um sich von Weitem die Angebote der Aussteller und Händler anzuschauen.

Die LBM hatte wieder ein reichliches Programm, ob nun Signierstunden, Lesungen oder auch der Besucherchor sonntags in der Glashalle; für Jeden war etwas dabei. Auch die verschiedenen Verkäufer zeigten wieder eine große Auswahl an Waren. Ob nun der neuste Manga aus Halle 1 oder doch lieber eins der schönsten Bücher der Welt, das Angebot war unerschöpflich! Die Vielfalt der verschiedenen Genres war wie in jedem Jahr unfassbar und einzigartig und man hatte den Eindruck, dass die LBM mit jedem Jahr noch vielseitiger und bunter wird.

 

Vor allem die Händler der MCC waren mehr als gut besucht, denn sie boten wieder viele außergewöhnliche Stücke an, die normalerweise teuer und mit langer Wartezeit aus Asien importiert werden müssen. Ob nun Merchandise zu verschiedenen Mangas, Animes oder auch die bei Sammlern begehrten Figuren. Auch kulinarisch hatte die Halle einiges zu bieten. Denn wollte man zum Beispiel mal Süßigkeiten und vieles mehr aus dem fernen Osten probieren, war man hier genau richtig. Natürlich gab es aber auch wieder ein großes Angebot an warmen wie auch kalten Speisen, die Besucher zur Stärkung in den verschiedenen Hallen erwerben konnten.

Der Andrang in der MCC zeigt vor allem, dass das Interesse an der bunten Anime- und Manga-Szene auch zunehmend bei normalen Messebesuchern immer stärker vertreten ist, denn nicht nur Cosplayer und eingefleischte Fans der Anime-und Mangaszene waren in Halle 1 zu finden. Das Genre wird zunehmend bekannter und zeigt wie vielseitig es sein kann. Dadurch kam es auch zu einem regen Austausch zwischen den verschiedenen Parteien. Friedlich und interessiert unterhielten sich an den verschiedenen Ständen die Besucher mit Ausstellern, Künstlern und auch mit anderen Besuchern und Cosplayern.

Auch zahlreiche Cosplayer pilgerten wieder nach Leipzig, um dort Autoren, Zeichner oder ihre Freunde zu treffen und ihnen wurde einiges geboten!

 

Buntes Programm zum Jubiläum!
Denn dieses Jahr hatte vor allem die MCC einiges zu bieten, denn ihr Jubiläum feierte die Messe mit einem Knall! Nicht nur, dass es zahlreiche Aussteller gab – nein, auch die beiden Bühnen hatten allerhand zu bieten und so wurde es in Halle 1 nie langweilig.
Auf der Panelbühne konnten Fans direkt mit ihren Idolen aus der Manga- und Anime- Szene interagieren und diesen diverse Fragen stellen. Trotz des hohen Termindrucks für die Zeichner und Autoren, wirkten diese nie gehetzt, sondern ließen sich Zeit, um die Fragen so ausführlich wie möglich zu beantworten. Ob nun ein Scherz zwischendurch oder ernste Gespräche, nichts wurde ausgelassen. Die Highlights in diesem Jahr waren die Ehrengäste Toyotarou, Mika Yamamori und Osora, die extra zur MCC anreisten. Zahlreiche Fans waren bei den Panels, Signierstunden oder auch beim Live-Zeichnen mit dabei und so entstand bei jedem der Programmpunkte eine super Stimmung.

Neben der Panelbühne gab es dieses Jahr auch wieder die große Bühne, die zwar in Halle 1 intergriert war, aber trotzdem vom Sound und Licht so manch andere Conventionbühne in den Schatten stellte. Die Stimmung der Zuschauerschaft war bei jedem Programmpunkt mehr als phänomenal und riss einen förmlich mit. Zu sehen waren unter anderem verschiedene Cosplaywettbewerbe mit zahlreichen Teilnehmern, die mit ihren Cosplays und Performances die Zuschauer in Staunen versetzten. Auch Showgruppen wie Daremo Shujinkoo mit ihrem Stück „Meine Braut, ihre Schwester & ich“ zum Videospiel Final Fantasy XIII oder auch Ikimashô mit dem Stück „Overwatch – Helden sterben nicht“ waren vertreten und versetzen das Publikum in Begeisterung. Und auch musikalisch ließ sich die MCC nicht lumpen, denn die Coversängerin Sayuri ließ die Herzen der Besucher mit einem guten musikalischen Mix höher schlagen.

Zwischen diesen ganzen actionreichen Events hatte man aber auch immer noch Zeit für andere Programmpunkte wie zum Beispiel das Bingo, bei dem die Zuschauer selbst auch gut mitmachten, oder die Darbietung des japanischen Schwerttanz der Gruppe TARO NASH.
Wer jetzt aber denkt, dass mit diesen beiden Bühnen und dem Hinweis auf die verschiedensten Aussteller bereits alles zum Programm der MCC gesagt ist, der irrt sich. Maid Café und japanischer Teegarten luden wie jedes Jahr zum verweilen ein, und wer sich an etwas Neuem versuchen wollte, konnte es unter anderem mit Langbogenschießen versuchen oder an einem der zahlreichen Workshops teilnehmen.

 

Organisation ist die halbe Miete!
Bevor viele Besucher allerdings das bunte Programm der LBM/MCC genießen konnten, standen wie auch im Vorjahr Taschenkontrollen und insbesondere für die Cosplayer Waffenchecks an.
In diesem Jahr war der Waffencheck auch wirklich gut. Das Personal am Check war geschult und gab sinnvolle Begründungen ab, falls eine Waffe nicht zugelassen wurde. Freundlich, respektvoll und überaus höflich war der Umgang zwischen den Mitarbeitern und den Cosplayern. Man konnte seine nicht zugelassene Cosplaywaffe direkt an der Garderobe beim Waffencheck mit abgeben und beim Verlassen der Messe wieder abholen.

Leider kamen manche Cosplayer aber gar nicht erst bis zum Waffencheck, da es anscheinend zu Missverständnissen durch falsche Absprachen kam.
Einigen Cosplayern und auch nicht-Cosplayern wurden schon an den Zelten vor dem Eingang und damit bereits vor dem eigentlichen Waffencheck Gegenstände abgenommen, darunter beispielsweise Musikboxen, aber auch Cosplaywaffen. Unter anderem wurden einer Black Widow-Cosplayerin ihre zwei Pistolen abgenommen. Das war auch vollkommen in Ordnung für die Cosplayerin, denn sie wurde nett darauf hingewiesen und war auch sofort bereit sie abzugeben. Allerdings musste sie die Waffen direkt im Zelt abgeben (sie durfte nicht zum Waffencheck) und sollte sie abends wieder dort abholen oder die Waffen zum Auto bringen. Die Cosplayerin entschied sich dazu ihre Waffen im Zelt abzugeben und sie am Abend wie abgesprochen wieder abzuholen.
Als die Cosplayerin dann aber abends zu den Zelten kam, um ihre Waffe abzuholen, waren diese geschlossen, an der Information wusste die Dame nichts von den Waffen und die Security war nicht erreichbar. Daraufhin wurde die Cosplayerin auf den nächsten Tag vertröstet und sollte morgens direkt wiederkommen. Wie abgemacht ging sie am nächsten Morgen zu den Zelten, aber allem Anschein nach waren ihre Waffen einfach verschwunden. Ob die Waffen gestohlen oder verlegt wurden lässt sich nicht sagen, jedoch waren besagte Zelte theoretisch die ganze Nacht zugänglich. Sollten die konfiszierten Gegenstände tatsächlich dort gelagert worden sein, wäre dies äußerst bedenklich.
Das so etwas nicht in Ordnung ist, sollte klar sein, denn die Gegenstände waren fremdes Eigentum und die Besucher wurden nicht darauf hingewiesen, ihr Eigentum bis zu einer bestimmten Uhrzeit abzuholen.
An dieser Stelle wären also Verbesserungen am System des Waffenchecks und generell auch an dem der Taschenkontrolle definitiv wünschenswert.

Die sonstige Organisation der Messe hatte, wie auch in den Vorjahren, ihre Stärken und Schwächen. So standen zum Beispiel an allen Tagen trotz des Schnees die Parkanweiser tapfer in der Kälte und ermöglichten einen guten Ablauf auf den vollen Parkplätzen des Messegeländes. Wer zu spät dran war hatte allerdings hoffentlich seine Winterschuhe an, denn um eine kleine Schneewanderung kam an diesem Wochenende fast niemand herum. Auch die Taxiunternehmen liefen auf Hochtouren, um die Besucher trotz der Bahnausfälle aufgrund des Schneewetters zur Messe zu bringen. Doch trotz der weitestgehend guten Organisation konnte die Messe ein paar Probleme, besonders im Zusammenhang mit den cosplayenden Besuchern, nicht umschiffen.

 

Cosplayer als Besucher zweiter Klasse?

Am Einlass:
Ja, einigen Cosplayern wurde an den Tagen der Einlass über den Eingang West (der direkte Eingang in die Glashalle) von den Mitarbeitern der Buchmesse verwehrt.  Warum die Cosplayer nicht rein durften? Die Begründung lautete, dass nach einer neuen Regel, „die Cosplayer durch den MCC-Eingang müssten wegen Waffen und Co.“. Doch auch Cosplayer ohne Waffen durften nicht durch den Eingang und mussten so wieder nach draußen, um über den Eingang der Halle 1 (MCC-Halle) in die Messe zu gelangen. An sich in Ordnung, eventuell hätte man dies aber vorab via Social Media kommunizieren können. Da es aber an allen vier Messetagen Schneefall gab und es draußen entsprechend kalt war und die Besucher nur ins warme Gebäude wollten, fühlten sich viele Cosplayer wie „Menschen zweiter Klasse“. Dies war allerdings nur auf der einen Seite der Messe ein Problem. Kamen die Cosplayer über Halle 5 oder 4 oder durch den Eingang Ost, gab es keine Probleme in die Messe zu gelangen. Das wäre zugegeben auch noch schöner gewesen, denn eine Wanderung um das gesamte Messegelände zur gegenüberliegenden Seite ist selbst bei gutem Wetter kein Vergnügen, erst recht nicht im Cosplay.
An diesen Eingängen wurden Cosplayer freundlich begrüßt, wurden höflich schon dort nach Fotos gefragt und unterhielten sich kurz mit den Besuchern und den Mitarbeitern.

Die Garderoben:

Viele Menschen waren vor Ort und wollten ihre Taschen, Koffer oder einfach ihre Jacken an den Garderoben abgeben. Oft waren aber leider die Garderoben schon mittags voll. Vor allem samstags und sonntags füllten sich die Haken schnell. Während die Abgabe einer Jacke für normale Besucher, also nicht-Cosplayer, kein Problem darstellte, wurden Cosplayer abermals teils hinten angestellt. Mit Aussagen wie: „Es gibt ja extra eine Garderobe für euch in Halle 1“, musste sich manch ein Cosplayer, der eventuell gerade erst angereist war, durch die vollen Hallen zur Garderobe der MCC durchkämpfen, um seinen Koffer abzugeben. Vielleicht hatte manch ein Cosplayer Glück und durfte an der ein oder anderen Garderobe seine Tasche abgeben, aber leider war dies nicht der Normalfall.

In Halle 5 beim Waffencheck wurde man dagegen auch gerne mal gefragt, ob man nicht auch seine Tasche abgeben wolle oder seine nicht zugelassene Waffe dort verwahren lassen möchte. So war es kein Problem beim Gehen noch zur Garderobe zu gehen und dann schnell durch den Schnee zum Auto zu gelangen.

Im Umgang mit Messe-Mitarbeitern:

Leider ließ sich wiederkehrend ein Muster erkennen, wenn es um den Umgang von Messemitarbeitern mit Cosplayern ging. Aus verschiedenen Berichten diverser Cosplayer, sowie aus eigener Erfahrung, konnten wir entnehmen, dass einige Cosplayer zum Beispiel von der Seite angemault oder sehr unfreundlich behandelt wurden. Wenn man sich beispielsweise auf dem Weg in Halle 1 verirrt hatte, bekam man als Cosplayer teils unfreundlich und falsche Antworten und irrte wieder umher. Die Umleitung der Besucher, die zu Halle 1 wollten, sorgte außerdem für einiges an Verwirrung und auf die Frage, warum man nicht eine Durchsage mache oder Schilder aufhänge, dass man nur noch über Halle 3 in die Halle 1 komme, bekam der ein oder andere die (recht patzige) Antwort: „Kannst du etwa nicht lesen? Da steht es doch.“ Ja, ein Schild war vorhanden, allerdings wäre ein zusätzliches Schild am unterem Ende der Treppen eventuell auch praktisch gewesen, da es vielen einiges Gedränge erspart hätte.

Auch wurden Cosplayer anscheinend aus dem Congress-Center Leipzig (kurz: CCL) verwiesen oder gar nicht erst hinein gelassen, da man wahrscheinlich Angst hatte, dass es wie in den letzten Jahre wieder von Fotografen und Cosplayern „überlaufen“ werden könnte. Die Aussage, die so manch einer hörte, war: „Nur mit Presseausweis darf man das Congress-Center betreten.“. Zugegeben könnte die Messe einfach die Regeln geändert haben. Da es aber fast nur Cosplayer und Fotografen hörten, die dort ein Shooting machen wollten und im CCL zeitgleich auch viele Menschen (auch Cosplayer) ohne Presseausweis verweilten und sich ausruhten, liegt die Vermutung nahe, dass auf diese Weise Shootings vermieden werden sollten.
Dazu muss gesagt werden, dass das CCL in den letzten Jahren gegen Abend hin leider immer sehr vermüllt und dreckig hinterlassen wurde, wofür wohl sowohl normale Besucher, als auch Cosplayer die Verantwortung tragen.
Es ist natürlich das gute Recht der Messe bestimmte Bereiche als Ruhezonen für Shootings auszuschließen, dennoch wäre eine offene Kommunikation dieser Regel sicherlich erfolgreicher als uneinheitliche Aussagen seitens der Mitarbeiter.

An dieser Stelle möchten wir aber dringend nochmal betonen, dass die hier angeführten Situationen nicht generalisieren sollen, denn je nach Mitarbeiter wurde man auch sehr freundlich behandelt und bekam sehr detaillierte Information, die einem auch weiterhalfen sich zurecht zu finden. Allerdings sei hier angemerkt, dass die Probleme bei der Interaktion von Cosplayern und einigen Mitarbeitern der Messe nicht zum ersten Mal auftraten. Da es sich bei Cosplayern ebenso um Besucher der Messe handelt, wie bei nicht kostümierten, wäre ein Hinweis auf einen angemessenen Umgang gegebenenfalls wünschenswert.

Aber immer auch vor der eigenen Haustüre kehren!

Zugegeben müssen sich hier auch einige Cosplayer an die eigene Nase fassen, da sie wie bereits angeklungen, durch ihr Verhalten ein negatives Bild auf die gesamte Szene projizieren. Ob nun laute Musik mitten in den Gängen, Müll, der einfach auf den Boden geworfen wurde oder das extreme Ausbreiten in der Glashalle. Niemand ist unschuldig an dem Bild, das außenstehende Personen mittlerweile von der Cosplayszene haben. Denn leider ist es durch ein solches Verhalten, den Umgang mit anderen Besuchern und nicht zuletzt auch durch verschiedene Social Media- und Fernseh-„Skandale“ zu diesem Bild der Szene gekommen. Vom Verhalten Einzelner auf eine ganze Szene zu schließen ist natürlich an sich schon problematisch, da wir uns aber jetzt in der Situation befinden, mit einem solchen Stigma behaftet zu sein, sollten einige Verhaltensweisen gegebenenfalls stärker reflektiert werden. Gerade auf Messen wie der Buchmesse, wo die Berührungspunkte mit normalen Messebesuchern extrem hoch sind, sollten wir Wert darauf legen uns gut zu präsentieren und Rücksicht auf die normalen Besucher zu nehmen.
Auf der anderen Seite ist dieses Bild nur eine geringfügige Rechtfertigung dafür, Cosplayer als „Besucher zweiter Klasse“ zu behandeln, obwohl sie genauso ihren Eintritt bezahlen wie jeder andere auch.

Doch nicht nur der Umgang mit Außenstehenden war problematisch. Auch der Umgang untereinander war oftmals etwas unschön. Viele Fotografen hatten auch in diesem Jahr wieder kleine Fotostudios auf der Schattenseite der Glashalle aufgebaut. Generell kein Problem, solange man bereit ist auch mal für jemand anderen Platz zu machen. Das hat aber leider, wie uns berichtet wurde, nicht immer funktioniert. Ein Fotograf suchte zum Beispiel nach einem kleinen Fotospot, um ein kurzes Shooting mit einer Cosplayerin zu machen. Nach langer Suche machten die beiden eine Pause zwischen den Fotopoints der anderen Fotografen. Nachdem sie 30 Minuten beobachteten, dass einer der Fotografen sein Equipment schon längere Zeit nicht genutzt hatte und offensichtlich gerade eine Pause machte, entschlossen sich Fotograf und Modell an „dessen“ Stück Wand kurz einige Bilder zu machen. Just sprang der andere Fotograf aber auf und verscheuchte die zwei mit den Worten „Das ist mein Platz und ich mach hier jetzt Fotos.“ An der Stelle ist es wohl kaum fraglich, dass eine solche „Platzreservierung“ nicht nur unschön sondern auch absolut egoistisch ist.
Aber auch hier zeigt sich, dass es sich bei solchen Erfahrungen weitestgehend zum Glück nur um Ausnahmen handelt!  Viele Fotografen machten nach kurzer Absprache bereitwillig Platz für andere Gruppen.  Und bei freundlicher Ansprache machten auch Modelle oder auch Fotografen, die gerade Pause machten, Platz für Shootings. Auch Besucher, die freundlich darauf hingewiesen wurden, dass man nicht an ihnen vorbei käme, stellten sich ohne Murren weiter an den Rand und machten so den Weg wieder frei. Es zeigt sich also, dass Freundlichkeit und ein respektvoller Umgang miteinander viele Probleme bereits im Keim ersticken können.

 

Das Ding mit Besuchern und ihrem Umgang mit Cosplayern

Fotos machen ist in Ordnung. Unerlaubte Fotos machen aber nicht.
Das Thema Fotografie hatte aber noch weitere problematische Facetten. Die LBM appellierte zwar vor der Buchmesse via Social Media an die Besucher, dass sie die Cosplayer erst fragen sollen, ob sie ein Foto machen dürfen, aber leider hielten sich nicht alle daran. So entstand immer wieder ein Schnappschuss während der Cosplayer aß, sich ausruhte oder anderen Dingen nachging. Sehr zum Ärger der unfreiwilligen Foto-Modelle. Hätten die besagten Hobby-Knipser erst kurz nachgefragt, hätte wohl kaum jemand etwas gesagt oder sich beschwert. So aber kam großer Unmut in den Reihen der zahlreichen Cosplayer auf. Viele fanden die ungefragten Fotos sehr unangebracht und drehten sich weg, wofür sie dann aber böse angeschaut oder sogar unfreundlich angesprochen wurden. Auf den Hinweis, dass man bitte erst nachfragen solle, bevor man abdrückt, reagierten viele Besucher mit Unverständnis und auch Unwillen. Es seien ja schließlich nur Fotos und die Cosplayer zögen sich ja schließlich nicht ohne Grund so an. Ein weit verbreiteter Irrglaube! Tatsächlich möchten wir darauf hinweisen, dass unerlaubtes Fotografieren nicht nur unhöflich, sondern sogar eine Straftat ist.
Einige Besucher zeigten jedoch auch viel Verständnis, wenn die Cosplayer sie darauf hinwiesen, dass es ihnen lieber wäre gefragt zu werden. Die ungefragt aufgenommenen Fotos wurden teils gelöscht, um dann durch neue, deutlich schönere und geplante Fotos ersetzt zu werden.
So ist nicht nur die kommunikative Situation und der Austausch deutlich schöner, auch die gemachten Fotos machen mehr her als ein Schnappschuss. Viele Cosplayer sehen es eher als Kompliment, nach einem Foto gefragt, als einfach ungefragt fotografiert zu werden.

An dieser Stelle sei aber auch noch ein absolutes Extrembeispiel angeführt, das eine unserer Redakteurinnen aus erster Hand miterleben musste. Wir schildern dies vor allem, um darauf hinzuweisen, dass so etwas a) nicht in Ordnung ist und b) nicht toleriert werden darf! Solltet ihr jemals mitbekommen, dass so etwas passiert oder selbst in eine solche Situation geraten, sprecht unbedingt das Security-Personal an oder wendet euch direkt an die Polizei!

Aber was genau ist eigentlich passiert?
Bei einem Shooting einer Cosplayerin suchte der Fotograf gerade den richtigen Frame im Sucher. Nichts ungewöhnliches bis hierher. Als dann aber ein älteres Paar vorbeikam ereignete sich eine Szene, die wohl selbst langjährige Con-Gänger so noch nie gesehen haben. Der Mann des Pärchens warf sich mit gezücktem Handy auf den Boden und fotografierte der Cosplayerin unter den Rock, daraufhin sprang er auf als sei nichts gewesen und versuchte weiterzugehen. Der schockierte Fotograf sprach den Mann allerdings umgehend auf sein Fehlverhalten an. Dieser zeigte sich jedoch absolut uneinsichtig und ging weg.
Als der Fotograf am Abend bei einer Security-Mitarbeiterin nachfragte, was man hätte machen können, schien es der Dame egal zu sein. Auch hier wieder ein Beispiel, warum das Personal auf der Messe gegebenenfalls besser geschult werden sollte.
Was das schlimmste an der Geschichte ist? Es handelt sich beim Verhalten des Mannes nicht nur um ungefragtes Fotografieren, was an sich schon strafbar ist, sondern auch um sexuelle Belästigung. Leider war dies auch kein Einzelfall. Viele Cosplayer und Cosplayerinnen berichteten uns ebenfalls von Männern, die ihre Handys offensichtlich extra unter die Röcke verschiedener Damen hielten, um mit nach oben gerichteter Kamera ein Foto zu machen. Dieses Verhalten ist in hohem Maße belästigend und strafbar! Deswegen auch hier noch einmal die Erinnerung, dass ihr das gute Recht habt in solchen Situationen die Hilfe von Security und Co. in Anspruch zu nehmen!

Cosplay is not Consent!

Leider kommt es immer häufiger zu solchen Situationen sexueller Belästigung auf Conventions und das nicht nur bei Cosplayern.
Nicht nur, dass sogenannte „Pantyshots“ gemacht wurden – nein, auch verbal und nonverbal ging es rund.
Einige Cosplayer wurden einfach „befummelt“ und generell ungefragt „angefasst“. Es wurde zum Beispiel an Teilen der Cosplays gezogen, darauf geschlagen oder auch hineingebissen. Warum? Das können wohl höchstens die besagten Personen erklären.
Generell zeichnet sich schon seit einigen Jahren der Trend ab, dass Personen der Meinung sind es wäre rechtens, Cosplayer ungefragt anzufassen. Insbesondere Damen in knappen Kostümen würden ja regelrecht danach fragen betatscht zu werden. Wir müssen an dieser Stelle wohl kaum ausführen wie abgrundtief falsch diese Einstellung ist.
Aber nicht nur physisch kamen Personen Cosplayern zu nah, auch verbal fand Belästigung statt. So wurde uns berichtet, dass eine Cosplayerin beispielsweise ein Gespräch zwischen zwei Securitymännern über sich mithörte, welches absichtlich so laut geführt wurde, dass sie es mitbekam. Unter anderem diskutierten die Männer darüber, was sie denn so alles mit ihr machen wollen würden und wie sie denn vermutlich im Bett wäre. Wir können an dieser Stelle nicht sicher sein, ob die Geschichte stimmt, gehen aber nicht davon aus, dass sich jemand sowas ausdenken würde.
Auch hier muss wohl kaum gesagt werden, dass dies ein völlig unangebrachtes Verhalten darstellt. Die Tatsache, dass es sich auch noch um Mitarbeiter der Buchmesse handelt, verschlimmert die Situation außerdem. Man sollte sich doch bei Security-Leuten sicher fühlen und diese bei verbalen und nonverbalen Angriffen ansprechen können – stattdessen macht man solche Erfahrungen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns hier wiederholen, sei noch einmal gesagt, dass offensichtlich ein Schulungsbedarf beim Personal besteht. Anders ist ein solches Verhalten wohl kaum zu erklären.
Doch auch hier zeigten einige Besucher Zivilcourage, sprachen die Personen gezielt auf ihr Fehlverhalten an und halfen sich so gegenseitig. Also nochmal der Hinweis: Helft euch gegenseitig, haltet die Augen offen und steht füreinander ein, wenn jemand Hilfe braucht! Wir sind nicht umsonst eine so vielschichtige und große Community. Wenn wir eins können, dann gemeinsam gegen solche Situationen vorgehen!

 

 

Alles in allem aber wieder ein gelungenes Event

Natürlich hat unser Bericht in diesem Jahr viele negative Aspekte der Buchmesse aufgezeigt, wir möchten aber dringend betonen, dass es sich hierbei NICHT um ein Spiegelbild der Gesamtstimmung handelt. Die LBM/MCC ist nicht ohne Grund Jahr für Jahr der beliebte Auftakt der Convention-Saison! Die Messe bietet Besuchern, egal ob Cosplayer oder nicht, unglaublich viel und überzeugt nicht zuletzt deswegen auch jedes Jahr aufs Neue.
Die Leipziger Messe ist in unseren Augen eines der schönsten Messegelände in Deutschland und wir freuen uns jedes Jahr, wenn es heißt: „Es geht wieder zur LBM/MCC“. Viele unserer Teammitglieder sind schon seit Jahren auf dem Event und mal ehrlich: wenn es schrecklich wäre würden wir wohl kaum hingehen.

Es war uns nur in diesem Jahr, inbesondere wegen unserer persönlichen Erfahrungen mit dem Thema, besonders wichtig auch einmal die vielleicht etwas problematischen Aspekte der Messe zu beleuchten. Seit Jahren findet immer wieder die Diskussion statt, inwiefern Cosplayer etwas auf Buchmessen zu suchen haben und genau wie die FBM hat sich auch die LBM im letzten Jahr vehement für Cosplayer auf ihrer Messe ausgesprochen. Dennoch hapert es zunehmend am Umgang mit den kostümierten Besuchern und als Berichterstatter sehen wir uns in der Pflicht, diese Probleme auch anzusprechen. Denn nur Probleme, über die geredet wird, können auch gelöst werden!

Trotz vielen problematischen Erlebnissen haben aber wieder die positiven Erfahrungen überwogen. Der Austausch zwischen ’normalen‘ Messebesuchern und Cosplayern ist auf kaum einer Convention so intensiv wie auf der LBM/MCC und die Vielfalt der anreisenden Cosplayer und Händler wird auch von kaum einer anderen deutschen Convention übertroffen!

Wir hoffen, dass die LBM/MCC es schafft, einige der angesprochenen Punkte zu verbessern. Mit dem Waffencheck hat es ja schon funktioniert.
Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf die nächste LBM/MCC und sind gespannt, von welchen Entwicklungen wir im nächsten Jahr berichten dürfen!

 

 

Der nächste Termin für die LBM/MCC ist im übrigen schon bekannt gegeben! Also haltet euch den folgenden Termin frei:

21. März 2019 – 24. März 2019

Weitere Information zur Leipziger Buchmesse und zur Manga-Comic-Con findet ihr auf folgenden Seiten:

https://www.facebook.com/leipzigerbuchmesse/
http://www.leipziger-buchmesse.de/

https://www.facebook.com/mangacomiccon/
http://www.manga-comic-con.de/

 

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Fazit

Trotz dem ein oder anderem negativen Punkt muss gesagt sein, dass die LBM und vorallem die MCC immer wieder einen guten Start in die Conventionsaison bietet. Es kommt zunehmend zum Austausch zwischen den normalen Besuchern und Cosplayern und auch wenn die sdurchaus zu problemen führt, zeigt es auch, dass Cosplayer und allgemein die Szene um Anime, Mangas und Comics mehr und mehr von der Gesellschaft gern gesehen und akzeptiert wird.
Verbesserungen sind an vielen Stellen wünschenswert und sicher auch angebracht, allerdings ist die LBM im Großen und Ganzen immer noch eins der vielseitigsten Events in Deutschland und kann sich in unseren Augen darauf auch einiges einbilden!
Programm
7/10
Workshops
8/10
Erreichbarkeit (ÖPNV)
10/10
Location (Gebäude)
8/10
Location (Umgebung)
9/10
Organisation
6/10
Händlerangebot
9/10